Glorious non-fucking Fifty

Den November habe ich mir geschenkt – als ganzes, mit allen 30 Tagen. Ein Geburtsttagsgeschenk mit Therapiewirkung. Dreißig Tage um 50 Jahre zu feiern. Ich denke, dass ist ok.

Aufmerksame MitleserInnen meiner diversen Blogbeiträge quer durchs Web haben es vielleicht mitbekommen: Ich bin seit kurzem ein halbes Jahrhundert alt (siehe Löffelliste auf LieberHerrCrohn).

Und ich finde das super.
No regrets.

Um meiner Geburtstags-Tag-Paranoia eins auszuwischen, habe ich schon lang vor dem Datum eine Feier geplant. Was gut war, denn kurz davor war dann doch Muffensausen mit Frustfieber angesagt und ich hab panisch überlegt, ob ich aus dem geplanten Jubel noch irgendwie mit einer guten Ausrede rauskomme.
Geht nimmer„, haben die gesagt, die mich schon lange kennen, und dabei milde gelächelt. „Du schaffst das, alles gut.“ Na gut, dann eben Augen zu und durch, dachte ich. Und habe sicherheitshalber auf Malta, bei einer wahrlich göttlichen Reise, mit meinen wunderbaren Reisegefährtinnen schon mal vorgefeiert.

Dann war der Tag da, rascher als erwartet – und er war großartig.
Die Feier war ein paar Wochen später, ging nicht anders und auch das war gut so. Klein und fein, war mein Motto, weil viel und groß wär mir zu viel und … Ja, eben zu groß gewesen 😉

Es gab kein Programm, einfach nur gemeinsam eine gute Zeit haben, gut essen, lachen, reden … und eine Torte mit einer Pippi Langstrumpf drauf 🙂 … und wenns möglich ist, vorher eine kleine Wanderung.
Und alles war möglich, die meisten sind mitgegangen und die, die nicht mitgehen konnten, sind nachgekommen und das Essen war super und die Torte toll und alles, alles war gut …

Nur meine Rede nicht.

Weil ich zwar gut und gern und viel reden kann über alle möglichen und umöglichen Themen und für andere auch Reden schwingen geht auch gut . Aber ich tu mir schwer, wenn ich über mich etwas sagen soll, wie in diesem Fall.
Tja, das wusste ich vorher nicht und habe daher eine erste post-fifty Erkenntnis gewonnen.
Ich habe etwas gesagt, einfach damit etwas gesagt wurde, und ich habe meine Jubiläums-Comic-Info ausgeteilt und die (vermutlich für mich mehr als für die anderen 😉 ) erlösenden Worte „das Buffet ist eröffnet“ gesprochen.

Alles gut, alle satt, alle happy.

Aber daheim, als wieder Ruhe in mir und rund um mich eingekehrt war, waren dann noch ein paar Worte, die sich bitter beschwerten, weil sie außer Acht gelassen wurden. Ich habe mich mit ihnen ausgesprochen und sie sind einverstanden, dass ich sie in schriftlicher Form in die Welt schicke.

Was ich sagen wollte:

Das meine Antwort auf die altgelutschte, teil-chauvinistische Frage „Uuund, wie isses so mit 50?!“ ein herzhaft ehrliches: „Super und toll!“ ist.
Weil, das man den Fünziger feiern kann, bedeutet, dass man 50 Lebensjahre erfolgreich absolviert hat. Die paar Fauxpassereien, Stolperchens, Problömer und Miesigkeiten … also die fallen unter das Toleranzgesetz, dass schon bei der Matura zum Einsatz kam: Wurscht welche Noten man durch die Jahre erwirtschaftet hat, am Ende zählt, dass man es irgendwie geschafft hat.
Denn: Wer nicht alt werden will, der muss jung sterben und sorry, aber das ist auch keine Lösung.

Das ich den Satz „Leute, so jung und frisch kommen wir nimmer zsamm!“ im wahrsten Sinn des Wortes verstanden habe.
Im letzten Jahr musste ich mich von meiner Mutter verabschieden … und davor und danach von noch ein paar anderen lieben Mitwesen, die mir ans Herz gewachsen sind. Das tut und tat weh und hat mir mit jedem Mal klar gemacht, dass Leben und Tod zwei Geschwister sind, die sich zu den unvorhersehbarsten Zeiten spontan treffen und austauschen.

Mitten beim Lachen, Essen und Plaudern im Kreis meiner Gäste war da dieser Moment, den ich am liebsten für immer festgehalten hätte – eine Lebenssekunde, die man in Harz gießen müsste, das dann irgendwann zu Bernstein wird.
Wenn wenn man mehrere solcher Momente verbernsteint hat, hat man eine schöne, heilsame Erinnerungskette besonderer Lebenssekunden beisammen. Es gibt keinen schöneren Schmuck, den man sich um den Hals legen kann, wenn die kalten Tage wieder an die Türe klopfen.
Und wenn ich mir eines noch wünschen darf, dann dass ich zu meinem 60er alle die, die mir beim 50er beigestanden haben, in persönlicher, virtueller, gedanklicher und bei der Feier vorhandener Form, wieder um mich habe … und gern noch ein paar mehr, die sich in den kommenden 10 Jahren finden dürfen 😉

Das Alter einerseits nur eine abstrakte Nummer aus Ziffer ist, aber andererseits auch etwas, auf das man stolz sein darf und – jawohl! – auch MUSS.
Wer verdammt nochmal hat dem Alter das Stigma des Hässlichen, den Stempel des Verfalls, den Fluch des Verwerflichen aufgedrückt? Schei* auf die Werbung und die ewige-Jugend-Statements.
Weil ehrlich: Wollen wir auf immer und ewig in diesem nicht-Fisch-nicht-Fleisch-Postpubertätsstadium hängen bleiben? Der missverstandenen Jugendlichkeit hinterherhecheln und die falsch verstandene Schönheit chemisch aufspritzen lassen?
Die paar Falten und Schwerkraftopfer des Körpers, die altersüblichen Verschleißserscheinungen (=med. Fachausdruck) des Daseins sind dieses Mehr an Wissen, die Erfahrungen, die Erlebnisse in jedweder Form, die Abenteuern und Eindrücke doch alle mal wert.
An den Narben im Leder erkennt man, ob das Rindvieh in Weidehaltung leben durfte oder sein ganzes Leben lang im Stall eingesperrt war. Ich bin stolz auf meine Weide-Narben.
Außerdem: Wer Falten hat, kann pro Stück eine Geschichte erzählen.
Das ist mir bei den Pubertätspickeln nicht möglich gewesen – mir wäre rasch der Stoff ausgegangen. Es waren zuviele und mein Erlebnisschatz damals einfach zu gering.

Ach, da wären noch einige Dinge gewesen, die ich gerne gesagt hätte. Aber im Endeffekt ist es egal. Weil auch das Ungesagte ausgesprochen nicht alles vermitteln hätte können, was ich hätte sagen wollen.


Der November war ein Geschenk für mich, mein 50er hat mir das ermöglicht. Meine Freunde rundum, nah und weit, meine Familie, auch nah und weit, alle die an mich gedacht haben und mit mir gelacht und geweint haben, die bei der Feier dabei waren, mit mir vorher oder nacher gefeiert, geredet und geburtstäglich gelacht haben … haben all das mitgesagt, was ich gerne ausgesprochen hätte und wortlos hoffentlich auch gesagt habe:

50 werden ist super.
50 sein ist genial.
50 ist nicht das neue 30, sondern einfach als 5 und 0 eine wunderschöne, besondere Zahl an sich. Nix wovor man sich fürchten muss, ausser man hat Angst, das nicht zu erreichen.
Ich bin froh nicht mehr 30 zu sein, auch das ich die 40 und alle anderen Zahlen davor hinter mir habe, ist gut.

Da ich nicht Peter Pan bin und daher dem Altern verpflichtet, ist es mir lieber, wenn ich diese Pflicht mit Spaß, Freude und Dankbarkeit erledige – weil es so einfach stimmiger ist.

Und nun gehts weiter, ins nächste Jahrzehnt, weil: nun möcht ich wissen, wie das ist, wenn man den Fünfer gegen eine Sechs tauscht 🙂

Glorious non-fucking Fifty – danke, dass ichs erleben durfte!

P.S: wer nun nachträglich meint, mir gratulieren zu müssen-wollen: ich hab schon Kraut gegessen 😉
Nehme die Wünsche aber gerne für die nächsten Jubiläen in Evidenz :-*

Michaela Schara

Hallo! Ich bin Michaela Schara, Bloggerin & Web-Nomadin, Natur & Kraftplatz Begeisterte, Mutter & Mensch. Ich schreibe über vieles, zeichne skurille Cartoons, fotografiere was mir spannend erscheint, lebe mit Morbus Crohn und versuche mein Leben mit Sinn und Freud´ zu füllen. Manchmal gelingt mir das sogar ;-)

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Liebe Geertje, jaaaa, das ist auch emotional gaaanz anders als die Löffelliste 🙂 Bin ja seither schon wieder um eeeeiniges reifer und älter und weiser geworden 😉
      Scherz ohne: dieses Jubiläum ist eins von den Dingen, die im Nachhinein noch weiterwachsen und besser werden. Und auch das ist für mich ein schönes Geschenk!
      Alles Liebe,
      MiA

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      • Ach das freut mich jetzt sehr. Und du wirst sehen, du wirst noch weiter wachsen, und das macht Freude. Ich spreche aus Erfahrung 😘
        Grüße vom leicht verschneiten Niederrhein im Advent 🕯🕯

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          • Vielen lieben Dank fürs Weiterwandern lassen meiner Zeilen! 🙂
            Und ja, das Weiterwachsen ist etwas, auf das man und ich mich durchaus freuen.
            Ganz herzlichen Grüße aus den zur Zeit schneelosen Bergen im Osten!

          • Liebe MiA, bis bald mal 😊
            Ich bin jetzt auch auf deiner Kultkraftseite….
            Wir hatten schon Schnee, jetzt eher feuchter typischer niederrheinischer Nieselregen. Herzliche Grüße

  1. Wunderbar geschrieben – in Worte gegossen.
    Ich wünsche noch nachträglich ein frohes und bunt-blühendes neues Lebensjahr/-zehnt.
    Herzliche & sonnige Geburtstagsgrüße
    aus Wien Beatrice

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    • Knuddelgruß hinüber, in den hohen Norden, und die Freude ist und war ganz meinerseits!
      Dieses Vorfeiern im sonnigen Süden wärmt noch immer sehr und unsere Lieder sind nach wie vor präsent und auf meinen Lippen 🙂

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