Kellerdurchbruch – hermetisch – brandschatzen

Es bricht immer wieder durch. Da kann man noch so dicke Mauern bauen, jeden Durchgang und jede Lücke hermetisch versiegeln – es bricht immer wieder aus einem hervor und je mehr man versucht es einzusperren, umso heftiger wird es.
Da helfen keine Urschrei-Seminare, kein 1000faches Ohm, kein Wegbeten oder Ausräuchern, kein Trommeln, kein Singen, kein Tanzen oder Hare Krischna-Jodeln.

feuer4Es will raus aus seinem Verlies im Keller, mit aller Kraft, die es in sich trägt, und brandschatzen auf der leergedüngten Wiese aufgeklärter, künstlicher Gelassenheit, die wir uns gesellschaftlich haben aufdrängen lassen.

„Ich habe keine negativen Emotionen!“, schreit das, mit Gewalt oder bewusst erweiterte, Ober-Ich und meint, mit dem Negieren hat es das letzte Schlupfloch versiegelt und ab nun ist alles nur noch eitel Sonne, Wonne, Glück und Friedlichkeit.

feuer3Hämisch kichert es laut aus den unteren Tiefen des Bewusstseins und mit einem grollenden Lachen springt das Weggesperrte just dann hervor, wenn der Zeitpunkt absolut unpassend ist und man nie im Leben mit so einem Kellerdurchbruch gerechnet hätte.

Und dann steht sie da, diese uralte, vibrierende, wahrlich intensiv lebendige Urkraft – unser Unterbewusstsein – und mit einem Mal sind auch alle weggesperrten, ach so bösen, ach so „negativen“ Emotionen wieder da und toben brüllend in und um einen herum.

Feuer1„Der Schatten gehört zum Licht“, flüstert es leise, mit heißer, bis ins innerste Herz vibrierender Stimme. „Sag Hallo zu deinen dunklen Geschwistern, heiße sie willkommen, nur dann werden sie deine Herrschaft akzeptieren und dir nicht mehr in den Rücken fallen. Und nebenbei bemerkt: Der Keller gehört wieder mal aufgeräumt, da ist alles voller Schutt und leerer Flaschen.“

Diese Etüde entstand auf Basis dieser Einladung: Schreibeinladung für die Textwoche 23.17 | Wortspende von redskiesoverparadise.
Eine Etüde ist ein Übungs-, Vortrags-, Konzertstück, das spezielle Schwierigkeiten enthält. In diesem Fall geht es darum, mit 10 Sätzen eine Kurzgeschichte zu schreiben, die die drei vorgegebenen Wörter enthält. Hier und hier geht es zu weiteren Etüden, mit anderen, auch sehr interessanten Worten und Einsichten.

Michaela Schara

Hallo! Ich bin Michaela Schara, Bloggerin & Web-Nomadin, Natur & Kraftplatz Begeisterte, Mutter & Mensch. Ich schreibe über vieles, zeichne skurille Cartoons, fotografiere was mir spannend erscheint, lebe mit Morbus Crohn und versuche mein Leben mit Sinn und Freud´ zu füllen. Manchmal gelingt mir das sogar ;-)

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wow! Wie sprachgewaltig, wie toll! Ja, ja, ja, ja, ja, ich stimme dir zu, auch was den Müll im Keller angeht. „Sag hallo zu deinen dunklen Geschwistern“ ist echt ein guter Rat, denn nur so geht es, das Schwarze mit dem Weißen zu versöhnen und (vielleicht irgendwann) zu transformieren … hach.
    Danke dafür und liebe Grüße
    Christiane

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    • Ich hab zu danken für diese wunderbare Erinnerung an das, was im Untergrund so schlummert und dann und wann rauswill! Immer wieder ein Vergnügen zu erleben, was die Wörter der Woche so zu sagen haben 🙂

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