Ode an meinen Porridge

Oder: Haferbrei macht nicht nur sexy, sondern auch glücklich

„Neulich, als ich eben die hauseigenen Nüsse geknackt habe, um sie zu den sorgfältige geachtelten Bio-Pflaumen in die Schüssel zu geben, während am Herd mein Porridge langsam und liebevoll vor sich hinschmurgelte …“

… fiel mir dieser grauenvoll schnulzige Satz ein 😉

Ich liebe Porridge und das erstaunt mich selbst immer wieder. Mag sein, dass man gewisse Nahrungsmittelvorlieben erst in späteren Zeiten, mit mehr Jahren im Kreuz, entwickelt. Den englischen Haferbrei habe ich vor einigen Monaten in Irland für mich (wieder)entdeckt. Da, wo ich schon als Kind mit der Vorliebe für Cornflakes und gesalzenen Toast infiziert wurde.

Generell sind meine Nahrungsgewohnheiten in Summe wenig europäisch. Meine Bauchnerven sind eher auf die Inselkost geeicht und ich steh dazu, dass ich Chips´n Vinegar köstlich finde. Aber aus Rücksicht auf meine Mitmenschen dann doch eher unterlasse. (obwohls im Grunde genommen nicht viel anders als wie Erdäpflsalat schmeckt, nur ohne Zwiebel und wärmer)

Doch Porridge ist auch am Festland gesellschaftsfähig und aktuell sogar very hipp und angesagt. Die Oat Cuisine boomt, Rezepte für “Overnight Oaties” gibt es mehr, als Gläser zur Verfügung stehen, und je rescher der Herbst-Winter, desto mehr Portionen landen in der Schüssel.

Haferbrei ist gesund und bildet eine sehr vielseitige Basis, die man täglich neu toppen kann. ABER: Haferflocken und Porridge ist nicht das gleiche. Zumindest nicht hierzulande, denn unsere “heimischen” Flocken sind viel zu derb für den cremigen, schlutzigen Porridgebrei. Leider.

Wer also echten Porridge genießen will, der muss sich seine Zutaten entweder via Internet von den Inseln organisieren, oder braucht Zulieferer, die einen in regelmäßigen Abständen mit gutem Stoff versorgen. Ich bin beglückt mich zu letzteren zählen zu dürfen 😉

Meine Irish-Mum kauft die von mir bevorzugten Flahavans Progress Oatlets im Supermarkt, via Botendienst werden sie dann abgeholt und landen eine Woche später in meinen Vorratsschränken. Das ist vermutlich der teuerste Porridge weit und breit, aber wenn ich am Morgen meinen Brei mümmel, bin ich glücklich und freu mich, dass ich mir diesen Luxus leisten darf.

img_8914Mein Aha-Erlebnis, was den perfekten Porridge betrifft, hatte ich auf Inishmore, das ist die größte der drei Aran-Islands. Im Kilmurvey House, wo wir unterhalb des megalithischen Forts Dún Aonghasa leider nur eine Nacht verbracht haben, gab es ein herrliches Frühstück. Das Buffet war klein, aber erlesen. Wem das zuwenig war, der konnte aus einer sehr reichhaltigen Speisekarte seine Breakfast-Schmankerl ordern. An oberster Stelle: Porridge, wahlweise mit einem Schuß Whisky oder Baleys Irish Cream.

img_8937Da beginnt der Tag eindeutig schwungvoll 😉

Ich habe mich dann dennoch für eine alkohol- und milchfreie Version entschieden. Ersteres, weil ich den Tag nicht bedüdelt erleben wollte und mir Uisce beatha, das Wasser des Lebens, am Morgen dann doch ein wenig zu viel ist. Zweiteres, weil ich eine dämliche und leider sehr echte Laktoseintoleranz habe.

ABER: der Porridge, der dann 5 Minuten später auf meinem Tisch landete, war trotz Fehlens der  typischen Grundzutaten einfach köstlich. Für mich mit Wasser angerührt und von mir mit dem, was das kleine Buffet bot, verfeinert – Ergebnis: GRENZGENIAL.

image1Das mit dem Whiskey im Porridge ist übrigens so eine Sache: Eigentlich ist das typisch schottisch, hat mich meine Irish-Mum aufgeklärt. Der alte Matrose, mit dem ich mich während der Rückfahrt auf der Fähre unterhalten habe, kannte diese Version jedenfalls nicht: “I’ve never heard of that!”, aber seine leuchtenden Augen ergänzten ungesagt “… but I will try this as soon as I get home.” 😉

Das muss man verstehen: Die Arans sind die westlichsten Inseln Irlands und auch wenn das Klima im Vergleich zu unserem hier in Österreich gemäßigt ist, sind die anhaltenden Stürme, der fast tägliche Regen und dauerhafter Nebel eine heftige Herausforderung, speziell im Herbst und Winter. Umgeben vom Atlantik, mit Steilküsten und Unmengen an Steinmauern gesegnet, aber so gut wie ohne Bäume, sind die Arans eine sehr eigene Landschaft. Wunderschön, aber brutal herausfordernd, wenn man hier leben will. Ein Schlückchen Whiskey am Morgen, speziell an Tagen mit horizontalem Regen, ist da mitunter wie ein Sonnenaufgang. Zumindest wärmt es die Knochen.

Wißt ihr, warum die Iren den Whiskey (mit „e“!) dreimal brennen? To make sure, to make sure, to make sure. Sind sehr vorsichtige Menschen, die Iren 😉

Mein Aran-Porridge war also die vegane Kinderversion für Touristen, aber für mich eine Offenbarung. Die nette Hauslady hat mir ihre Hausmarke verraten und der nächste Supermarkt hat dafür gesorgt, dass mein Koffer auf der Heimreise knapp bis an der Grenze zum Übergewicht gefüllt war.

Die Zubereitung ist easy

Ich schaffe das sogar im morgendlichen Halbschlaf, wo man von mir normalerweise ausser einem Morgengrunzer nicht viel erwarten darf.

Ich hab ein wenig herumexperimentiert: Porridge wahlweise mit Wasser, Mandelmilch oder Schlagobers 1:1 mit Wasser oder Mandelmilch gemischt … Obst kleingeschnitten dazu und mitgekocht oder anschließend roh darunter gemischt, Marmeladen und Jams fürs Topping (=oben drauf), Nüsse müssen bei mir sowieso immer dabei sein (seit ich sie wieder vertrage, nach meiner OP, kann ich nicht genug davon bekommen), Rosinen gerne auch und wenn das Obst nicht genug Süße verbreitet, dann darf gern ein guter Schuss Ahornsirup drauf. Der Whiskey bleibt in der Bar. Den hab ich lieber pur, an besonderen Abenden 😉

How to do

  • Eine halbe Tasse Flocken, 200–250 ml Flüssigkeit – je nachdem wonach es mich gelüstet und was im Haus ist, siehe oben: Wasser, Mandelmilch (mein Favorit) oder Schlagobers (Sahne) mit Wasser gemischt.
  • Eine Prise Salz – da bin ich Freak und bestehe auf frisch gemahlenem Steinsalz, aus unseren heimischen Bergen.
  • Je nach Lust und Laune kommt dann entweder ein Schwung “Alles Liebe”-Gewürzmischung von Sonnentor dazu, oder die Pelargoni-Mischung von Hildegard von Bingen, oder-und eine Prise Zimt … das wird spontan entschieden.

Während die Flocken und die Flüssigkeit langsam zu kochen beginnen, schlachte ich meine Nüsse – die einzig wirklich mühsame Arbeit. Könnte man ja auch mal geblockt machen und tagsüber. Aber daran denk ich immer nur am Morgen, wenn ich mich frage, warum ich das nicht schon gestern gemacht habe.

Wenn ich frisches Obst dazu haben will, wandert das dann fallweise auch schon rein in den Topf. Birnen zum Beispiel, die sollen ja gekocht gesünder als roh sein, aber auch Äpfel. Bananen hab ich lieber roh und bei den Pflaumen/Zwetschken und dem restlichen Obstangebot entscheidet der Zufall. Und wie schnell ich mit dem Entkernen bin.

Dann wird noch mal die innere Stimme betreff Rosinen befragt (meist sagt sie ja.)

3 Minuten sollen die Flocken köcheln, dabei immer wieder umrühren. Fertig!

Der Aufwand ist wirklich überschaubar und wer auf die Nussschlacht und das Obst verzichtet, hat sein Schüsselchen in ein paar Minuten mampfbereit. Man kann ja auch das Obst durch Jams/Marmeladen oder Kompott ersetzen und natürlich kann man auch die Rosinen weglassen … oder durch Sultaninen ersetzen 😉

Ein Breichen am Morgen und die Sorgen können ihren Koffer packen und auf den Bus warten. Draußen, vor der Tür. Denn drin sorgt der Porridge für gute Laune und sanft gefüllten Magen.

Ich bekomm übrigens nix dafür, dass ich hier für diese Porridge-Marke (und die anderen Zutaten) schwärme – möcht ich nur zart anmerken. Für mich ist es einfach die beste Sorte, die ich bisher kennengelernt habe.

Wer nun Probleme hat einen Einkauf in einem irischen oder englischen Supermarkt zu organisieren, der kann versuchen das im Internet zu bestellen. Bei Amazon hab ich zwar die Marke, aber nicht diese Sorte gefunden. Oder ihr probiert es mit heimischen Alternativen. Ich hab in Notzeiten (also zwischen den Lieferungen, wenn mein Packerl leer war und das neue noch nicht da) das Hafermark genommen oder bin auf Dinkel oder Hirse-Griesbrei umgestiegen.

Letzteres ist eigentlich keine Alternative, sondern was ganz anderes. Aber geschmacklich auch sehr fein. Das Hafermark jedenfalls kommt noch am ehesten auf die g´schmeidige Porridgekonsistenz hin. Ziel ist ja, dass man die Flocken nicht kauen oder beißen muss – das ist dann Müsli und das kann gern wer anderer haben.

Wer es mit heimischen Haferflocken probieren will, sollte sie über Nacht einweichen, dann ist die Chance größer, dass sie am Morgen flott weich werden.

Generell kann man auch “meine” Porridgeflocken über Nacht einweichen und vorbereiten. Da gibt es ganz viele Rezepte im Internet (zum Beispiel hier). Ich habe das noch nie gemacht, muss ich gestehen. Ich bin eher der spontane Typ, weiß erst am Morgen was ich in meinem Brei haben will. Und mir ist die Vorstellung, dass die da die ganze Nacht vor sich hingeweicht haben, ein wenig suspekt. Aber andere Menschen, andere Länder, andere Sitten – siehe Whisky – es lebe die Vielfalt!

Und wer weiß, vielleicht wehen auch bei uns mal heftige Atlantikstürme und dann landet der wärmende Schuß irischer Zuversicht und schottischer Inspiration in meiner Schüssel 😉
Ungeklärt ist allerdings noch die Frage, ob man dann “Mahlzeit” durch “Slainté” ersetzt.